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Ein Protokoll der Aktionen zu erstellen, ein Experimentierfeld oder ein Thema zu formulieren oder sie auch nur zu benennen ist ebenso unmöglich wie Angaben zu ihrem Status zu machen, letztlich verbietet sich selbst ein von den Künstlern autorisiertes Narrativ. Ihre gemeinsamen Recherchen begannen 1995, richteten sich zunächst jedoch nicht an ein Publikum. Die Frage nach dem Sichtbarmachen stellte sich erst später: Marie Cool aktiviert die Arbeiten, aber das könnte genauso gut durch jemand anderen geschehen, ebenso wie die Videoaufzeichnungen. Damit entzieht sich das Werk jeder Art von Systematisierung, und die Aufmerksamkeit des wahrnehmenden Subjekts verlagert sich.
Die Aktionen veranlassen uns zu einer Auseinandersetzung mit dem Konzept des Besitzens. Anders ausgedrückt: Sie führen uns die Vergeblichkeit unserer Bemühungen vor Augen, über sie zu verfügen und sie mit unserem Blick zu beherrschen. Einem Prinzip der Wechselseitigkeit folgend, das im Begriff des Besitzes selbst angelegt ist, wird durch die gegenseitige Unterwerfung von Mensch und Objekt die Identität beider in ihre Bestandteile zerlegt. Alle verwendeten Gegenstände sind durch Normen, Industriestandards und entsprechende Verhaltensweisen determiniert. Die Hierarchie zwischen Unbelebtem – A4-Blatt, Klebeband, Faden, Licht – und Belebtem – dem Menschen – ist ebenso aufgehoben wie die zwischen Raum und Aktion. Obwohl das Objekt nicht verändert oder verfremdet wird und damit für uns erkennbar ist, zeigt es sich uns in seinen Komponenten, seiner „dauerhaften Identität“ .
Durch die Einbeziehung eines poetischen Elements, die Wiederholung von Bewegungen und die auffällige Langsamkeit ihrer Ausführung werden die Normen für die Erzeugung eines jeden Objekts außer Kraft gesetzt. Der Zyklus, der den Moment der Rezeption durch den Adressaten des Objekts – in diesem Fall des Werks – einschließt, wird durchbrochen. So bloßgelegt, geben die Beziehungsautomatismen ihren Platz für die Erfahrung des Gegenwärtigen frei. Das wahrnehmende Subjekt erfährt das Gegenwärtige in ständigem Kontakt mit der Wirklichkeit. Es ist keine Repräsentation mehr, sondern existiert durch eine Form von Analogie. Die Bewegungen existieren nur im Moment ihrer Ausführung, sie sind Teil der Unmittelbarkeit. Jede Aktion ist wie das Indiz einer latenten Gewalt gegenüber der heutigen Zeit. In der Negation des Resultats kommt ein ausgeprägter Widerstand gegen jede Entwicklung zum Ausdruck.
Die Aktionen sind das, was sie zeigen, und so, wie man sie glauben will . Während der Betrachter oder Kritiker immer wieder aufs Neue versucht, sich das Werk anzueignen, ist es „nicht mehr, als ob es gar nicht wäre“.


Text: Mathilde de Croix


1 Macé, Arnaud: „Introduction“, in: Ders. (Hrsg.): La Matière, Paris, Flammarion, 1998, S. 15.
2 S. Porete, Marguerite: Le Miroir des âmes simples et anéanties, Paris, Albin Michel, 1997 (auf Deutsch erschienen unter dem Titel „Der Spiegel der einfachen Seelen: Mystik der Freiheit“ im Maxiverlag, Wiesbaden, 2011): „Die Wahrheit des Glaubens besteht darin, das zu sein, was man glaubt. [...] Derjenige, der ist, was er glaubt, glaubt wahrhaftig.“ (S. 174).
3 Ibid.




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