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Beeindruckende Laiendarsteller, stimmungsvolle, impressionistische Bilder und eine große, kontemplative Beobachtungsgabe verleihen, insbesondere dem Langfilmdebüt „Girimunho“ von Helécio Marins Jr., eine semi-dokumentarische Qualität. Der vielfach ausgezeichnete Regisseur wurde 1973 in Belo Horizonte, Brasilien, geboren, wo er bis heute lebt. Über fünfzig internationale Preise erhielt Helvécio Marins Jr. bereits für sein Schaffen.
Spätestens seit seinem, gemeinsam mit Clarissa Campolina realisierten, Erstlingsfilm „Girimunho“ (Der Wirbel, 2011) ist der Regisseur weltweit bekannt. Beim Filmfestival von Venedig erhielt der Spielfilm den Interfilm Preis. In der taz schrieb Michael Baute: „Bisweilen begegnen einem Filme, deren formale und inhaltliche Eigenständigkeit so frappierend und neuartig ist, dass es schwerfällt, ihnen mit herkömmlichen Worten beizukommen.“ Und weiter: „Mit einem unaufdringlich philosophischen Tonfall präsentiert „Girimunho“ eine Welt, die, durchzogen von Mythen und Gesängen, eine berückende Komplexität besitzt.“ Von Hollywood bis Madrid erntete der Film begeisterte Kritiken. Auch die Kurzfilme von Helvécio Marins Jr. wurden, etwa beim Festival in Locarno oder Mannheim-Heidelberg, weltweit ausgezeichnet. Sie liefen auf wichtigen internationalen Festivals wie der Biennale, Toronto oder San Sebastian. Aber auch Museen wie zum Beispiel das Centre Georges Pompidou oder das MoMa hatten sie im Programm. Rund um den Globu strahlten verschiedene Fernsehsender sie aus. Momentan arbeitet Helvécio Marins Jr. mit einem Stipendium des Hubert Bals Fund an seinem zweiten Langfilm. Der Regisseur absolvierte ein Film-Masterstudium an der PUC Universität in Rio de Janeiro.
„Geduld ist sehr wichtig“, sagt eine der Figuren in „Girimunho“ (2011). Und Geduld bewiesen auch die Filmemacher: Die Dreharbeiten dauerten sechs Jahre. Viele der außergewöhnlichen Laiendarsteller in „Girimunho“ sind blutsverwandt. Das Drehbuch verfasste Felipe Bragança, der 2013 Gast des Berliner Künstlerprogramms war. Die Hauptrolle (Bastú) spielt die 81jährige Maria Sebastian Martins Álvaro. Nach dem Tod ihres Ehemanns wird sie von merkwürdigen Geräuschen und Erscheinungen heimgesucht. Um den Spuk zu bannen, bricht sie auf. Sie will die Habe ihres Mannes zu dessen Bruder zu bringen. „Girimunho“ bedeutet Wirbel. In einer ähnlichen Bewegung verbinden sich in dem Film Realität und Traum, rund um die rote Erde am Ufer des São-Francisco-Stroms. Das Roadmovie wurde nach dem Interfilm Preis in Venedig auch in Nantes (Special Jury Prize und Youth Jury Prize) sowie in Havanna ausgezeichnet.
Nur einen Mann und ein Boot, aber keinen Dialog braucht Helvécio Marins Jr. in seinem Kurzfilm „Nascente“ (2005), um eine Parabel über die Freiheit zu erzählen. Das Meer wird schließlich das Ruderboot verschlingen. Der alte Mann aber sieht ihm lächelnd dabei zu. Der Film erhielt Preise in Barcelona, Vilnius und in Mannheim-Heidelberg. Er wurde unter anderem für den Wettbewerb der Festivals in Rotterdam, Rom und Sydney ausgewählt.
„Nem Marche nem Chouta“ (2009) dagegen ist die dokumentarisch anmutende Beobachtung eines Marktstandes mit rohem Fleisch. Ein kleiner Junge steht hinter den mit Fliegen bedeckten Tierkadavern und schaut in die Kamera. Dann geht er weg. Die Kamera schwenkt auf einen abgenagten Kuhschädel am Boden. Abblende auf Schwarz. Doch im Kopf des Betrachters schwingt dieser wie nebenbei gefilmte cineastische Augenblick nach.



Text: Maike Wetzel
Foto: Still aus Alma Nua


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Filme: 2012 O Canto do Rocha (Kurzfilm, Beta digital, 20’) 2011 Girimunho - Co-Regie: Clarissa Campolina (Spielfilm, 35 mm, 90’) 2009 Nem Marche nem Chouta (Kurzfilm, Video, 7’) 2006 Trecho (Kurzfilm, 35 mm, 18’) 2005 Nascente (Kurzfilm, 35 mm, 17’) 2003 2 Homens (Kurzfilm, 16 mm, 5’) 2003 Alma Nua (Videoinstallation, Video, 6’)
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