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Zhou Xiaohu, geboren 1960 in Changzhou (ostchinesische Provinz Jiangsu), zählt zu den Videoanimation- und Experimentalfilm-Pionieren in China. Sein Oeuvre beschränkt sich jedoch nicht auf Film, sondern umfasst auch Skulptur und räumlich ausgreifende Installationen, die oft mehrere alte und neuere Medien zusammenführen. Ursprünglich ausgebildet als Maler an der Sichuan Academy of Fine Arts in Chongqing (wie wohl auch als Bildhauer am Suzhou Art Institute), arbeitete Zhou nach seinen Abschluss in den frühen Neunzigern zunächst als Grafikdesigner. Die Auseinandersetzung mit dem Computer als Werkzeug für kreative Arbeit (in welche auch sein Bildhauer- und Malerei-Wissen einfliessen) bestimmt seit Mitte der Neunziger sein künstlerisches Werk: klassische Stop-Motion-Animationen spielen genauso eine Rolle wie Computerspiel-Software, Slapstick oder klassische Medienkunst-Ansätze. Sein Genre-übergreifendes Handeln erscheint auch passend zum Zeitgeist in der ostchinesischen Metropole Shanghai, wo Zhou lebt und arbeitet. Die 24-Millionen-Stadt am Jangtse-Delta ist das Zentrum der chinesischen Finanzindustrie und durch einen riesigen Containerhafen ein globaler Waren-Umschlagplatz. Zhou ist dennoch kein Techno-Futurist: „Egal, wie viel wir mit Computern erreichen können und trotz der perfekten Bilder, die sie uns liefern – mich hat immer beschäftigt, wie ich einen Handarbeits-Touch in meinem Werk erhalte, der es in der Sphäre der bildenden Kunst verankert. Kunst kann nie allein von Maschinen gemacht werden.“ So nutzte Zhou etwa in der viereinhalb-minütigen Animation „The Gooey Gentleman“ (2002) einen männlichen und einen weiblichen Körper als Hintergrund für animierte Handzeichnungen, die, untermalt durch einen leiernden Shanhai-Schlager, eine Geschichte von Verführung und Begehren erzählen.

Bekannt wurde Zhou auch mit seinen kleinen animierten und nicht-animierten Tonfiguren, die wie ein Bindeglied zwischen der mythischen Terrakotta-Armee aus dem frühchinesischen Mausoleum Qin Shihuangdis und den kleinformatigen Tonfiguren aus dem Zyklus „Plötzlich diese Übersicht“ (1981-2012) des Schweizer Künstler-Duos Fischli/Weiss wirken. Sie erscheinen manchmal etwas unbeholfen, wie von Kinderhand gemacht. Zhou bestärkt diese Sicht: „Ich persönlich denke, dass das, was ich heute tue, sich direkt auf das bezieht, was ich als Kind getan habe.“ Die Tonfiguren präsentiert der Künstler neben dem Film auch in ausgeklügelt arrangierten installativen Aufstellungen, etwa „Parade“ (2003): Sofort erkennt der Betrachter den traditionsreichen Tiananmen-Platz in Beijing, an dem immer wieder große staatliche Aufmärsche stattfinden und der natürlich auch für die unterdrückte Erinnerung an die blutig niedergeschlagenen Unruhen von 1989 steht. In diesem Fall ermöglichen Humor und Ironie, der Bezug auf kindlichen Spieltrieb auch die Berührung sensibler Themen. Zhou's Installation nutzt das Medium der Parade als ein Mittel, um Geschichte, Gegenwart und Zukunft des modernen Chinas wie in einem Zeitraffer zu spiegeln: Innerhalb des Zuges finden sich sowohl Szenen aus der Anfangsphase der 1949 gegründeten Volksrepublik, Szenen vom maoistischen Terror während der Zeit der sogenannten Kulturrevolution zwischen 1966 und 1976, dem seit den Achtziger Jahren durch den dengschen Pragmatismus geprägten China, bis hin zu einer sino-planetarischen Zukunft, in welcher (in der Phantasie des Künstlers) auch Dinosaurier und Aliens Dienst in der chinesischen Volksarmee tun.




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