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In komplexen Anordnungen widmen sich die Filme und Diainstallationen von Wendelien van Oldenborgh Fragen der Identität, Geschichtsschreibung und der Stimme. Es geht darum, einen Rahmen bereitzustellen, in dem sich nach oftmals nur losen thematischen Vorgaben ein Gespräch entwickeln kann und in dem mehrere Standpunkte auf einmal geäußert werden können: Stimmen kommen zu Wort, die Geschichte anders erzählen oder vom Fortleben der Vergangenheit in der Gegenwart berichten können. Komplexität wird hier nicht auf ein zentrales Narrativ und eine dominante Sichtweise reduziert, sondern wird immer wieder neu und anders hervorgebracht. Die Räume in van Oldenborghs Werken sind polyphon, die Identitäten, um die es ihr geht, sind von der Geschichte zusammengesetzt, hybridisiert aus verschiedenen Kulturen, gekommen über lange Wege. Sie sprechen viele Sprachen und haben viele Stimmen.

Immer wieder wendet sich van Oldenborgh der Kolonialgeschichte ihrer niederländischen Heimat zu und folgt deren Spuren in der Gegenwart. Sie dreht an historisch signifikanten Orten, oder lässt entsprechende Texte lesen, greift aber auch verfremdend ein, streicht die eigene Medialität ihrer Szenarien heraus. No False Echoes (2008) bezieht sich auf die Rundfunkpolitik der Kolonialzeit. Auf dem Dach einer Radiostation verliest Sala Edin, ein niederländischer Rapper marokkanischer Herkunft einen kritischen Text des damaligen indonesischen Freiheitskämpfers Soewardi Soerjaningrat, drinnen im modernistischen Bau verfolgt die Kamera schließlich eine Diskussion über die Rolle des Radios in den niederländischen Kolonien. Das technisch nur in eine Richtung sendende Medium Radio wird zu einem Raum des Gesprächs, zur Echokammer, in der sich vor dem Hintergrund der Geschichte Fragen nach der Rolle der freien Rede und der Meinungsäußerung in der Gegenwart stellen.

Dieses Prinzip des Gesprächs wie auch die Polyphonie mehrerer Stimmen treten in den jüngeren Arbeiten van Oldenborghs noch deutlicher zu Tage. In Bete & Deise (2012), dem letzten Teil einer Trilogie, die sich mit den Veränderungen der Arbeitslandschaft auseinandersetzt, treffen sich zwei Frauen – die Schauspielerin und Politikerin Bete Mendes und die Sängerin Deise Tigrona –, um sich über die Rolle öffentlichen Sprechens zu unterhalten. Für Supposing I love you. And you also love me. (2011), eine Diainstallation mit Tonspur – aufgenommen wieder in einem Rundfunkgebäude –, bringt van Oldenborgh fünf junge Erwachsene mit dem Theoretiker Tariq Ramadan zusammen. Ausformulierte Konzepte treffen auf spontane Gefühlsäußerungen, Alltagserfahrungen auf Akademie, ohne dass sich dabei eine Hierarchie durchsetzt. An einer Stelle skizziert Ramadan das Problem präzise: „Say whatever you want to say, but whatever you say it doesn’t matter. You are either not heard or something else is heard.“ Genau dagegen arbeiten van Oldenborghs Arbeiten. Stimmen sind gleichwertig und sollen in ihrem eigenen Recht gehört werden können.


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.As for the Future.

Wendelien van Oldenborgh im Gespräch

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