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Lagos ist ein Moloch. Die nigerianische Metropole zählt je nach Schätzung mal 17.5, mal annähernd 21 Millionen – und wächst in atemberaubendem Tempo weiter. Emeka Ogboh findet hier das Rohmaterial für seine Klangcollagen, Videos und Installationen. Mit dem Mikrofon und der Kamera streift er durch die Straßen der Stadt, fängt ihre Geräusche ein und fügt sie zu atmosphärischen – und manchmal mit Musik kombinierten – Klanglandschaften zusammen. Besonders die sogenannten danfo- und molue-Busse tauchen immer wieder in seinen Arbeiten auf.
Diese charakteristischen gelben Kleinbusse mit ihrem schwarzen Seitenstreifen sind so etwas wie die Blutkörperchen im Kreislauf der Stadt, sie transportieren Menschen, Waren, sind Orte der Begegnung und der Drift. Sie bilden eine halboffizielle, oft improvisierte, aber immer lebensnotwendige logistische Infrastruktur. In Ogbohs Lagos Soundscapes hört man das Hupen der Busse, die Unterhaltungen der Insassen, Flaschen werden geöffnet, es wird telefoniert, Straßenverkäufer preisen im Chaos der Umsteigestationen und Bahnhöfe lautstark ihre Waren an. Und immer wieder hört man, wie die Fahrer die Haltestellen und Stadtviertel ansagen. Sie liefern damit das, was Ogboh eine „verbale Karte“ der Stadt nennt.
Ähnliches kann man auch von Ogbohs eigenen Arbeiten behaupten: Seine fieldrecordings vermessen die Stadt auf Basis ihrer Geräusche und lassen sie aus den Sounds ihres alltäglichen Funktionierens als „Hörbild“ entstehen. Dabei geht es nicht darum, eine akustische Tapete zu liefern, sondern vielmehr darum, eine Stadt im rasanten Wandel zu kartografieren und vor allem auch zu dokumentieren.
Immer wieder präsentiert Ogboh diese Klangkollagen im öffentlichen Raum anderer Städte, in Köln beispielsweise oder in Helsinki. Die verschiedenen Sounds der Städte kollabieren, das Chaos von Lagos taucht als Stachel in der Ordnung der europäischen Metropolen auf – nicht zuletzt lässt sich auch eine historische Verbindung ziehen: der Sound der ehemaligen Kolonien kehrt auf den Kontinent der Kolonialisten zurück.
Oft schält sich aus dem Wirrwarr der Stimmen und Geräusche in Ogbohs Klangbildern eine Auseinandersetzung mit den ökonomischen Realitäten, den Warenströmen, dem täglichen Überlebenskampf heraus. Diese wirtschaftliche Dimension tritt in der Multimedia-Installation Oshodi Stock Exchange (2014) wohl am deutlichsten zu Tage: begleitet von einem Soundtrack, den Ogboh gemeinsam mit dem Berliner Komponisten Kristian Kowatsch entwickelt hat, läuft auf einem Leuchtband im Stile von Börsenkursen eine Liste von Waren durch, die auf der inoffiziellen Straßenmarkt-Ökonomie der Stadt für gewöhnlich zu finden sind.
In Ogbohs Video-Arbeiten wie disconnect I – IV oder Loco-Metta sind meist einfache Straßenszenen zu sehen, untermalt von den Soundrecordings der Stadt und Musik. Eine Spiegelachse in seiner Mitte stülpt das Bild aber immer wieder in sich selbst, lässt Bewegung gleichzeitig vorwärts und rückwärts laufen. Einen einfachen, linearen Zugang gibt es nicht, geschweige denn eine vollständige Erschließung – die Stadt, ein Fraktal.



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