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Die erzählerischen Grenzen des Kinos erkundet der Regisseur Sandro Aguilar insbesondere im Genre des Kurzfilms. Er zählt zur sogenannten „shorts generation“, einer Gruppe portugiesischer Filmschaffender, die dem Kurzfilm eine neue Berechtigung verliehen haben. Sandro Aguilar prägt auch als Produzent, Cutter und Videokünstler die Filmszene seiner Heimat. Die von ihm 1998 gegründete Produktionsfirma „O Som e a Fúria“ bietet mit Miguel Gomes oder Manoel de Oliveira etlichen der heute einflussreichsten Filmemacher Portugals ein Forum.
Sandro Aguilar wurde 1974 in Angola geboren und wuchs in Portugal auf. In Lissabon studierte er in der Abteilung Montage an der Filmhochschule.
Seine Werke laufen regelmäßig auf den wichtigsten internationalen Festivals. Retrospektiven widmeten ihm jüngst die Festivals in Rotterdam, Bafici und Brooklyn. Beim Europäischen Filmpreis wurde Sandro Aguilar gleich zweimal für den „UIP-Preis“ für den besten Kurzfilm nominiert. Bei der Biennale in Venedig, den Filmfestivals in Locarno, Bahia, Gijon, Vila do Conde, IndieLisboa und anderen Festivals wurden sein Schaffen ausgezeichnet.
Die Atmosphäre eines bestimmten Ortes ist für Sandro Aguilar der Ausgangspunkt für die meisten seiner Filme. Die Erzählung und auch die Dialoge darin sind spärlich, die Bilder rätselhaft. Spiegelungen überlagern die Gesichtszüge seiner Protagonisten, oft sind sie nur von hinten zu sehen oder verschwinden in der Unschärfe. In langen Einstellungen bewegt sich manchmal nicht mehr als ein Blatt, darüber zwitschert ein Vogel. Aguilars Tableaus sind berückend schön komponiert. Die Menschen darin sind einsam, Nähe suchen sie vergeblich. Als den „Gefrierpunkt der menschlichen Beziehungen“ hat Sandro Aguilar einmal sein Thema beschrieben. Voll Poesie und Melancholie hebeln seine Filme die Linearität der erzählten Zeit aus.
In „Voodoo“ (2010) trifft ein ängstlicher Mann auf eine verstörte Frau, beide sind Flugbegleiter. Sie lacht, als sie einen Dummy wiederbeleben soll. Das Lachen wird ihr verboten. Obwohl sie den gleichen Raum teilen, begegnen sich die beiden Protagonisten nie unmittelbar. „Trotzdem scheinen sie auf einer magischen, in der Realität uneinklagbaren Ebene miteinander verbunden.“ (Dieter Wieczorek) Für den Film erhielt Sandro Aguilar den „Restart Award“ als bester portugiesischer Kurzfilmregisseur.
In demselben Jahr entstand auch „Mercúrio“ (Gnade, 2010), gefilmt in nur fünf Stunden. Auch hier reizt Sandro Aguilar die Kunst der Parenthese aus. Scheinbar geschieht fast nichts: Ein Mann, eine Frau, ein Kind. Zwei nebeneinander parkende Autos am Rande der Stadt. Ein Niemandsort, an dem die Zivilisation mit der Wildnis zu verschmelzen scheint. Am Ende bleibt nichts als die Erinnerung. Der Film gewann den Hauptpreis in Oberhausen. Das Filmfestival in Gijon wählte ihn zum besten Kurzfilm. Beim Kurzfilmfestival „Golden Boll“ wurde er als bester Experimentalfilm ausgezeichnet. Außerdem erhielt „Mercúrio“ zwei Nominierungen bei den „Tiger Awards“ des Filmfestivals in Rotterdam.
Die Sehnsucht nach verlorenen Objekten, Gefühlen und Empfindungen verbindet die Personen in Sandro Aguilars erstem Langfilm, „A zona“ (2008): Ein Mann wartet auf den Tod seines Vaters. Eine Schwangere überlebt einen Autounfall, ihr Partner stirbt. Ein Baby kommt zur Welt. Alle Charaktere scheinen in einer persönlichen Vorhölle gefangen. Auch in diesem abendfüllenden Kinofilm spielt der Regisseur mit erzählerischen und visuellen Auslassungen, geht er bis an die Grenzen des logisch Nachvollziehbaren.
Reality-Gameshows inspirierten Sandro Aguilar zu seinem im Jahr 2000 entstandenen Film „Sem Movimento“. Die Regeln sind einfach: Vier Leute in einem Auto. Wer zuerst geht, hat verloren. Zigaretten, Polaroids, die klaustrophobische Atmosphäre eines Shoppingcenters und selbstauferlegte Kasteiung. Beim Filmfestival in Venedig erhielt der Film im Jahr 2000 eine besondere Erwähnung in der Kategorie bester Kurzfilm.
In Berlin wird Sandro Aguilar sowohl an seinem zweiten Langfilm arbeiten als auch an einem neuen Projekt. Unter dem Arbeitstitel „A Field or Sphere of Action“ will er sein bewährtes filmisches Konzept weiter ausbauen und in eine Serie von Filmen oder eine Installation münden lassen.



Text: Maike Wetzel


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Filme (Auswahl): 2010 Mercúrio (Kurzfilm, 35 mm, 18’) 2010 Voodoo (Kurzfilm, 35 mm, 30’) 2008 A Zona (Spielfilm, 35 mm, 99’) 2000 Sem Movimento (Kurzfilm, 35 mm, 17’)
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