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Carolina Caycedo beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit Themen und Kontexten, die tagtäglich eine breite Öffentlichkeit betreffen. In ihrer Arbeit wird Kunst so zu einem Vorwand, utopische Modelle zum Bewohnen einer Welt anzubieten, in der Individuen und Gemeinschaften zunehmend der Kommodifizierung, Ausbeutung und Diskriminierung ausgesetzt sind. Als Teil des kolumbianischen Kunst-Kollektivs „Colectivo Cambalache“ war Caycedo an der Entwicklung des Projektes „Museo de la Calle“ (1999-2002) beteiligt – ein ambulantes und sich permanent veränderndes Archiv von Objekten, welche zunächst im Tauschhandel in einem der marginalsten Viertel von Bogotá erworben wurden und dann innerhalb der Stadt und später im Ausland weiter zirkulierten und ausgestellt wurden. Als Teil ihres Projektes „daytoday“ (2002-07) lebte Caycedo für kurze Zeiträume ohne Geld in den Städten Wien, New York und London, wo sie sich ausschließlich durch Tauschhandel und das Anbieten von Leistungen ernährte, – wie zum Beispiel Haareschneiden oder Spanischunterricht – im Austausch für wesentliche Dinge wie Essen oder eine Übernachtungsmöglichkeit, aber auch für weniger existentielle Güter oder Dienstleistungen wie eine Digitalkamera oder eine Einladung zu einer Party. Ihre Erfahrungen in diesen Projekten führten vor, dass Tauschhandel gleichermaßen eine Form des sozialen wie des ökonomischen Austausches ist.

Fast unvermeidlich spiegelt sich Caycedo’s komplizierte Biografie in ihren Arbeiten wieder. Sie wurde in Großbritannien geboren, wuchs in Kolumbien auf, gründete in Puerto Rico eine Familie und hat seitdem in zahlreichen Städten in Europa und in den USA gelebt. Doch anstatt mit unpolitischen Begriffen wie dem Nomadischen oder dem Globetrotter zu hantieren, bezeichnet sich die Künstlerin selbst als Immigrantin, um so die Tatsache zu betonen, das Grenzen zunehmend sichtbar werden und dass ungezügeltes Reisen nur einer vergleichsweise kleinen Elite möglich ist. Und dass - obwohl meist Teil dieser Elite - Künstler sehr oft unter prekären ökonomischen Bedingungen leben. In ihrem Video „How to Obtain a British Passport“ (2003) wird die Zeremonie einer standesamtlichen Eheschließung gezeigt sowie die Verhandlungen, die ihr vorausgingen: ein kolumbianischer Freund, der aus Großbritannien ausgewiesen zu werden drohte, bat sie um Hilfe beim Erwerb der Britischen Staatsbürgerschaft, indem sie ihn im Austausch gegen 3.000 Britische Pfund heiratet. Ein Jahr später initiierte Caycedo einen öffentlichen Protestmarsch im Londoner Stadtteil Hackney, bei dem die Teilnehmer große Transparente trugen, auf denen „Immigrants Influence Home Cultures“ stand – die ersten einer Serie von Transparenten mit politischen Botschaften, die sowohl als Affirmation wie auch als Aufruf zum Handeln funktionieren.

Die meisten Arbeiten von Caycedo haben Performance-Charakter und existieren ausschließlich im öffentlichen Raum in Form von urbanen Interventionen. Für „Offerings“ (2011) arbeitete sie mit religiösen und sozialen Aktivistengruppen an Manhattans Lower East Side in New York zusammen. Gemeinsam organisierten sie zwei öffentliche Kerzenlicht-Zeremonien zu den Themen „Erleuchtung und Pilgertum“ sowie „Arbeitsrechte und Immigration“. Ein Wochenende lang waren Leute als allen Gesellschaftsschichten eingeladen, sich um Schreine aus bedruckten Votivkerzen mit Botschaften wie: „Bessere Bedingungen für Kulturarbeiter“ oder „Nachhaltiges Denken“ zu einer Veranstaltung zu versammeln, in der die Idee von der erlösenden Kraft der Kunst neu aufgegriffen wurde.


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https://carolinacaycedo.wordpress.com/

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The headlong stream is termed violent But the river bed hemming it in Is termed violent by no one.

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