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Alina Rudnizkaja zählt zur sogenannten neunten Generation der russischen Dokumentarfilmer. Eine filmhistorische Einordnung, die mit Sergei Eisenstein beginnt. „Die Fähigkeit hinter der präzisen Alltagsbeobachtung auch die großen Fragen des menschlichen Daseins aufscheinen zu lassen“ vermuten die Schweizer Filmwissenschaftler Reto Bühler und Jörg Hüssy als verbindendes Element dieser jüngsten Generation russischer Dokumentarfilmer.

Alina Rudnizkajas Filme widmen sich dem Alltag im Neuen Russland. Sie zeigen eine Gesellschaft im Umbruch. Ihre Erzählweise steht einerseits in der Tradition des klassischen sowjetischen Dokumentarfilms, erweitert diese aber um eine bisher unbekannte Intimität. Ihre Kamera kommt den Protagonisten sehr nah. Sie scheint derart selbstverständlicher Bestandteil des Dargestellten zu sein, dass viele Betrachter an der Authentizität des Gefilmten zweifeln. „Manche Leute fragen mich, ob es in meinen Filmen Inszenierungen gibt. Aber nein – es ist alles dokumentarisch.“ (Alina Rudnizkaja)

Insgesamt über dreißig Preise haben Alina Rudnizkajas 13 bisherige Dokumentarfilme errungen. Weltweit liefen sie auf wichtigen Festivals wie dem Internationalen Film Festival Rotterdam, dem London Film Festival, der Transmediale in Berlin und bei Silverdocs in den USA. 2005 gelang Alina Rudnizkaja mit Civil Status der erste größere internationale Erfolg. Der Film erhielt 14 Preise bei Festivals. Er wurde unter anderem bei den Oberhausener Kurzfilmtagen mit dem Hauptpreis ausgezeichnet und erhielt zudem die besondere Erwähnung der ökumenischen Jury. Auch in Stuttgart und bei Interfilm Berlin wurde der Film zum besten Dokumentarfilm erklärt. Doch bereits ihr ersten Filme Letter und Communal Residence machten die Filmemacherin über die russischen Grenzen hinaus bekannt und wurden vielfach ausgezeichnet. Amazons (2003) war bei der Werkleitz-Biennale in Halle, beim Kassler Dokumentarfilmfestival sowie den Internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen zu sehen. 2004 wurde ihr Porträt der Band TATU mit dem „LAVR“ als bester russischer Dokumentarfilm prämiert. Blind movie ist ihr Spielfilmdebüt betitelt. Derzeit befindet sich der Film in der Postproduktion.

Aufgewachsen ist die 1976 geborene Filmemacherin nördlich des Polarkreises in der Hafenstadt Murmansk, Russland. Für ein Ingenieursstudium an der Hochschule für Raumfahrt kam sie 1994 nach Sankt Petersburg. Anschließend studierte sie in derselben Stadt Regie und Drehbuchschreiben an der Universität für Kultur und Künste. Ihre erfolgreichen Studentenfilme ermöglichten ihr erste Fernsehaufträge: Für die TV-Serie Petersburg 2003 drehte sie zwei kurze Filme, Driving Mad und Communal Residence. Seit ihrem Studienabschluss arbeitet sie für das altehrwürdige St. Petersburg Documentary Film Studio, an dem auch Legenden des sowjetischen Dokumentarfilms wie Alexander Sokurov oder Pavel Kogan tätig waren. Das 1918 gegründete Studio ist die älteste staatliche Filmproduktion Russlands und bis heute entsteht hier ein Großteil aller Dokumentarfilme. Alina Rudnizkaja lebt und arbeitet in St. Petersburg.

In Vixen Academy (2008) porträtiert die Filmemacherin einen Kurs für junge Frauen, die mit dem gezielten Einsatz ihrer Reize mehr Liebe und Macht erringen wollen. Absurd und tragikkomisch wirken ihre Bemühungen. Sie tanzen in Unterwäsche, üben das laszive Essen einer Banane oder werfen sich dem Kursleiter probeweise an den Hals. Im Hintergrund ihrer Verrenkungen aber scheinen die gesellschaftlichen und persönlichen Gründe dafür auf. Auch in Civil Status (2005) beobachtet Rudnizkaja alltägliche Irrungen und Wirrungen, diesmal auf einem Standesamt. Das rein weibliche Personal verwandelt die Gefühle von Brautpaaren, Frischgeschiedenen und Hinterbliebenen in bürokratische Vorgänge. Bessame Mucho (2006) beschreibt die Proben eines Frauenchors im ländlichen Tichwin vor dem Besuch italienischer Diplomaten. In Amazons (2003) widmete Rudnizkaja sich einer Gruppe junger Stadtamazonen, die mitten in St. Petersburg Pferde halten und keine Männer in ihren Reihen akzeptieren.

Rudnizkajas Dokumentarfilme sind meist zwischen 20 und 30 Minuten lang. Gerade weil die Finanzierung dieses Formats in Russland zunehmend schwierig werde, möchte die Filmemacherin sich in Berlin auf die Konzeption eines längeren Dokumentarfilmstoffes konzentrieren. Das Projekt True Blood wird in Ko-Produktion mit einer litauischen Firma realisiert werden.



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Filme (Auswahl): 2008 Blind movie (Spielfilm, 35mm/HD, 90’) 2008 Vixen Academy (Dokumentarfilm, 35 mm, 29’) 2006 Bessame mucho (Dokumentarfilm, 35 mm, 26’) 2005 Civil Status (Dokumentarfilm, 35 mm, 30’)
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