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Immer wieder wenden sich Mona V?t?manu und Florin Tudor in ihrer Arbeit in Installationen, Performances oder Videos der Lage in den Staaten des ehemaligen Ostblocks zu. Und immer wieder stehen dabei Stadt und Architektur im Fokus, insbesondere die hier kondensierenden Spuren der Vergangenheit. In Lücken und Rissen im urbanen Gefüge spüren sie die Wunden der Geschichte auf, anhand von Plattenbauten beleuchten sie die Frage nach dem gegenwärtigen Leben in einer Architektur, die immer noch von der Ideologie jenes toten Systems erzählt, in dessen Geiste sie einst errichtet wurde (Persepolis, 1999 – 2006). Sie filmen Tour-Guides im pompösen Palast des ehemaligen rumänischen Diktators Nicolae Ceau?escu (Palatul, 2003/04) und machen dabei die Unmöglichkeit eines neutralen Verhältnisses zur jüngsten Geschichte Rumäniens sichtbar oder fragen danach, warum aus politischen Gründen verschwundene Gebäude wie etwa das historische und 1985 vom kommunistischen Regime abgerissene V?c?re?ti Kloster in Bukarest nicht einmal ein Denkmal oder eine Erinnerungstafel bekommen haben (V?c?re?ti, 2003/6).

In der Auseinandersetzung mit dem Erbe des real in Unterdrückungs- und Ungerechtigkeitssystemen existierenden Sozialismus geht es dabei jedoch nicht nur um die Aufarbeitung verdrängter Geschichte, sondern immer auch um die veränderten Bedingungen der Gegenwart: um die politische und ökonomische Situation nach dem Systemwechsel und dem Leben unter der Herrschaft eines allumspannenden Kapitalismus. So fragen V?t?manu und Tudor nach der Rolle und Wertigkeit marxistischer Theorie zwischen ehemaliger Staatsdoktrin und Handwerkszeug zur Analyse unter neuen neoliberalen Vorzeichen (Captitalul / Das Kapital, 2007), widmen sich dem Prinzip des Mehrwerts (Plus Valoarea, 2009) oder stellen sich der Suche nach neuen Symbolen und möglichen zukünftigen Artikulationen eines politischen Imaginären (All Power to the Imagination, 2009). Für Appointment with History (2008), ihren Beitrag zur fünften Berlin Biennale, kombinierten sie kleine Ölbilder mit Motiven gegenwärtiger politischer Demonstrationen mit einer über Lautsprecher zu hörenden Lesung von Marx/Engels „Kommunistischem Manifest“, sowie einer Art bestuhltem Auditorium mit leerer Rednerbühne. Es war an den Zuschauern, selbst einen Kommentar abzugeben, in den verlesenen Text zu intervenieren, ihn abzulehnen oder zu aktualisieren.
Zwei ihrer jüngsten Projekte, Production line for the Future (2010) und Land Distribution (2010/11), beschäftigen sich mit der Frage nach den Besitzverhältnissen, nach einer Neu- und Umverteilung von Land und Reichtum. Aus alten, ausrangierten VHS-Bändern fertigen sie einfachste Installationen, rudimentäre Raumbegrenzungen und Parzellierungen – und verweisen damit auf den in Venezuela üblichen Gebrauch dieser Bänder für die Abtrennung kleiner Schollen, die den ärmeren Leuten des Landes die Selbstversorgung gewährleisten sollen.

V?t?manu und Tudor kontrastieren diese (positive) Zweckentfremdung alter Medientechniken jedoch auch mit einem Verweis auf die erneute und schrittweise Enteignung der Bevölkerung in den ehemaligen Ostblockstaaten durch Banken, Investoren und Spekulanten: In den Mittelpunkt rückt so nicht die Landnahme und -verteilung an sich, sondern von wem und wie diese zu welchem Zweck vollzogen wird. Und so steht hier am Ende und vor der Folie von Geschichte und Gegenwart vor allem eines auf der Agenda: die Möglichkeit und Form eines zukünftigen Gemeinwesens.

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