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Bradley Rust Gray, wurde 1971 in Dayton, Ohio, geboren und wuchs in Florida auf. Er lebt in Lebens- und Arbeitsgemeinschaft mit seiner Frau, der Filmemacherin So Yong Kim, in New York. Seinen Master an der Filmhochschule der USC in Los Angeles erwarb er als Fulbright-Stipendiat. Sein Studium der Filmwissenschaft am British Film Institute in London schloss er ebenfalls mit einem Master ab. Bei seinem undergraduate-Kunststudium an der School of the Art Institute of Chicago konzentrierte er sich auf die Schwerpunkte Architektur, Skulptur und Experimentalfilm. Ein Studienaustausch brachte ihn 1993 nach Reykjavik, wo er ab 2001 auch zweieinhalb Jahre lang unterrichtete und sein Spielfilmdebüt drehte.
Bradley Rust Grays Filme erzählen von jungen Menschen, die tastend und ohne viel Aufhebens von ihrer Person zu machen auf der Suche sind, nach der Liebe und nach sich selbst. Die klassische Hollywood-Auffassung von Spannung unterläuft er dabei gezielt. Es geht ihm nicht um konfliktreiche, überraschende Wendungen. Er reduziert die Erzählung auf Gesten, auf Blicke, auf kleinste Nuancen, auch im Dialog. Seine Bilder sind bei aller Alltäglichkeit nie beliebig und oft von großer visueller Kraft und Poesie. Gray verfolgt einen konsequenten, formvollendeten Minimalismus, dessen Botschaft sich nicht durch das faktische Geschehen, sondern durch die stilistische Stringenz der Erzählung vermittelt.
Auf der Handlungsebene passiert in Grays Filmen nichts Ungewöhnliches: Eine junge Frau fährt mit dem Freund ihrer Schwester quer durch Island und bleibt in einem entlegenen Dorf hängen („Salt“, 2003). Eine andere junge Frau, Ivy, verbringt die Osterferien bei ihrer Mutter und lädt ihren alten Schulfreund Al zu sich ein. Die beiden gehen auf Partys, streifen durch die Stadt, telefonieren, hören Musik. („The Exploding Girl“, 2009) Das erste Händchenhalten der angeblichen Schulfreunde ist das letzte Bild des Films. Einem gewöhnlichen zeitgenössischen Liebesfilm wäre diese Geste nicht einmal eine Zäsur wert. Gray aber inszeniert sie leinwandfüllend. Ivys epileptische Anfälle dagegen erzählt er beiläufig. Ohne sich je zu beklagen bildet das Mädchen das ruhige Zentrum dieses Films. Selbst ihre Krankheit und die damit verbundenen Einschränkungen scheinen an Ivy abzuperlen. Bradley Rust Gray sagt, er habe sich Ivy an einem schlechten Tag ausgedacht – als eine so selbstlose, ruhige und doch zähe Person, die ihn motivieren würde, selbst ein besserer Mensch zu sein. Für ihre Rolle in Grays Film erhielt Zoe Kazan auf dem Tribeca Film Festival 2009 den Preis für die beste Darstellerin. „The Exploding Girl“ wurde weltweit auf zahlreichen Festivals gezeigt und lief in den USA im Kino.
Sein Debüt „Salt“ (2003) drehte Gray mit Laiendarstellern. Er wanderte vier Monate die Hauptstraße in Reykjavik auf und ab, um sie zu finden. Anschließend drehte er die intime Dreiecksgeschichte in der beeindruckenden Insellandschaft und komplett auf Isländisch: Die junge Hildur verliebt sich in Aggi, den Freund ihrer Schwester Svava. Sie verlässt die Fischfabrik, in der sie arbeitet, um gemeinsam mit Aggi ihre Schwester in der Hauptstadt zu besuchen. Nach einer Autopanne umkreisen die beiden sich, flirten, machen immer wieder Rückzieher und schlafen schließlich doch miteinander. Am nächsten Morgen aber beschließt Hildur, nach Hause zurückzukehren. Dort verbindet sich ihre Geschichte mit einer alten isländischen Legende über Seehunde. Die Tiere zeigen Hildur einen Weg aus der Isolation. „Salt“ wurde bei der Berlinale 2003 mit dem Caligari-Preis für innovative Filmemacher ausgezeichnet. Beim Nordic Film Festival in Frankreich wurde Grays Debüt zum besten Film erklärt und das Nashville Film Festival verlieh ihm den Publikumspreis. Außerdem wurde Gray als bester Regisseur beim Sony Digital Festival in Tokio ausgezeichnet.
Grays erster narrativer Kurzfilm „hITCH“ (1999) erzählt in der Manier einer fiktiven Reisedoku von der sexuellen Spannung zwischen zwei jungen Männern. Der Film wurde 1999 auf dem renommierten New York Film Festival uraufgeführt und im Jahr 2000 beim Sundance Festival ausgezeichnet. „hITCH“ wurde außerdem vom Film Comment Magazine als einer der besten Film des Jahres nominiert und sein Regisseur im Filmmaker Magazine als einer der 25 kommenden Filmemacher bezeichnet. Strand Releasing vertrieb den Kurzfilm und brachte ihn in die amerikanischen Kinos.
Unter dem Titel „Jack and Diane“ arbeitet Bradley Rust Gray derzeit an einer, diesmal ins Mystische transzendierenden Liebesgeschichte zweier heranwachsender Mädchen.
In Berlin möchte der Filmemacher seinem bisherigen Themenkomplex treu bleiben, ihn aber erstmals in der Vergangenheit ansiedeln. Insbesondere interessieren ihn die Beziehungen der Menschen in einer kleinen, jäh bedrohten Gemeinschaft. Für seinen nächsten Film will der Regisseur über tatsächliche und fiktionale Ereignisse recherchieren – so zum Beispiel über die Pestepidemie und die Legende des Rattenfänger von Hameln.



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Filme (Auswahl): 2010 Jack and Diane; Regie/Buch (Spielfilm, in Produktion, 90’) 2009 The Exploding Girl; Regie/Buch (Spielfilm, 4K Digital/76’) 2008 Treeless Mountain von So Yong Kim; Produktion/Schnitt (Spielfilm, Super 16/89’) 2006 In Between Days von So Yong Kim; Produktion/Co-Autor (Spielfilm, DV/82’) 2003 Salt; Regie/Buch (Spielfilm, DV/87’) 2001 With You Now; Regie (Dokumentarfilm, DV/80’) 1999 hITCH; Regie/Buch (Spielfilm, 16 mm/18’)
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