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Temur Butikaschwili wurde 1961 in Tiflis, Georgien, geboren. Dort lehrt er heute als Professor für Dokumentarfilm an der Technischen Universität. Nach seinem Regiestudium in Kiew realisierte er zahlreiche Spiel- und Dokumentarfilme für das georgische Fernsehen. Temur Butikaschwilis Filme wurden mehrfach ausgezeichnet und liefen auf internationalen Festivals wie zum Beispiel auf der Berlinale 2008. Temur Butikaschwilis Spielfilm „Warum lachst du?“ wurde als bester Fernsehfilm beim Fernsehfilmfestival „MANA-96“ ausgezeichnet. Sein Dokumentarfilm „Liturgie über Georgien im XX. Jahrhundert“ wurde 1995 für dasselbe Festival ausgewählt.
Butikaschwilis Augenmerk gilt vor allem den kleinen Leuten, den Habenichtsen. In sorgfältig komponierten Bildern beobachtet der Regisseur ihre alltäglichen, oft melancholischen, manchmal mit einer skurrilen Komik gewürzten Geschichten. Die privaten Dramen spielen vor dem Hintergrund einer sich im Umbruch befindlichen Gesellschaft. Althergebrachte Traditionen reiben sich am neuen Lebensstil.
In „Second hand sale“ (2007) ist ein launischer Kühlschrank das letzte Stück des ererbten Inventars, das dem Protagonisten geblieben ist. Die restlichen Möbel hat er bereits für den täglichen Wodkabedarf versetzt. Die Kaufinteressentin erbarmt sich nicht nur des bedrohlich grollenden Kühlschranks. Sie drückt auch den armen Trinker an ihre Brust. Damit wird keinesfalls alles gut, sondern höchst lustig. In dieser kurzen, skurrilen Komödie passen die Charaktere in kein Leistungs- oder Schönheitsideal, sie sind arm und einsam, aber keineswegs verzweifelt. In der letzten Einstellung sitzt der nun auch seines Kühlschranks beraubte Protagonist auf dem Fensterbrett und lässt seine Füße nach draußen baumeln. Doch er hat nicht vor, sich zu Tode zu stürzen. Statt dessen brüllt er seinen Lebenshunger hinaus in die weite Öde der Vorstadt, während sich die Kamera von ihm und den benachbarten, verlassenen Fenstern des Hochhauses entfernt und ihn als Teil eines riesigen Setzkastens aus Beton zeigt. Der Film „Second hand sale“ wurde im Kurzfilmwettbewerb der Internationalen Filmfestspiele in Berlin 2008 gezeigt und dort für den „Prix UIP 08“ sowie den Kurzfilmpreis des DAAD nominiert.
„Die Rückkehr“ (1994) eines Vaters aus dem Gefängnis dagegen konfrontiert ihn mit dem Zerfall seiner Familie. Selbst das Grab seiner Frau ist verschwunden, das Haus heruntergekommen, der Sohn trinkt. Mit harten Worten distanziert sich der Vater von seinem Sohn. Erst ganz allmählich entschlüsselt sich das Ringen zweier Generationen um Schuld, Sühne und Vergebung. Butikashwili entlässt den Zuschauer mit leiser Zuversicht aus diesem Geflecht. Beim Internationalen Filmfestival „Goldener Ritter“ in Russland erhielt „Die Rückkehr“ 1999 den Sonderpreis der Jury. Als offizieller Wettbewerbsbeitrag lief der Film 1994 beim „Festival of International Audiovisual Programs“ (FIPA) in Cannes.
„Die Schande“ (1992) eines jungen Mädchens, das aus der Stadt in das Bauernhaus ihrer Eltern zurückkehrt, stellt deren Liebe auf die Probe. Denn der Bauch der Tochter ist rund und keine Ehemann in Sicht. Mit großer Ruhe und Wärme erzählt Butikashwili hier von dem Konflikt zwischen althergebrachten Konventionen und den Herausforderungen der gesellschaftlichen Neuordnung. Der Vater will die Tochter allein zurück in die Stadt schicken, doch auf der langen Fahrt zum Bahnhof besinnt er sich. Die Familie kehrt um. Das Ende gestaltet Bukashwilis offen. Der gemeinsame Gang im Dunkeln signalisiert verhaltenen Optimismus. Die Geschichte erzählt gerade in kleinen, beiläufigen Beobachtungen wie in dem überfüllten Wartesaal, aber auch auf der Symbolebene viel über das heutige Georgien. „Die Schande“ wurde 1992 als Bester Kurzfilm beim Filmfestival „Goldener Adler“ ausgezeichnet und erhielt im selben Jahr den Sonderpreis der Jury beim Kiewer Filmfestival „Molodist“. 1994 lief der Film als offizieller Wettbewerbsbeitrag beim „Festival of International Audiovisual Programs“ (FIPA) in Cannes.
Mit dem Berliner Exil zweier bedeutender georgischer Schriftsteller möchte Temur Butikashwili sich während seines DAAD-Stipendiums auseinandersetzen.
Grigol Robakidse (1882-1962) gehört zu den Begründern der modernen psychologischen Erzählung in Georgien. Er engagierte sich in der Widerstandsbewegung gegen die sowjetische Einflußnahme in Georgien und kooperierte im Rahmen dessen auch mit der deutschen Wehrmacht des Dritten Reichs. Die sowjetische Machtübernahme in seinem Heimatland drängte Robakidse 1930 schließlich ins Berliner Exil.
Giwi Margwelaschwili (* 1927) dagegen wurde bereits in Berlin geboren und kehrte 1990 dorthin zurück. Er gilt als einer der wichtigsten, noch lebenden Vertreter der georgischen Phänomenologie.
Temur Butikaschwili will seinen Aufenthalt in Berlin zur Recherche und Dreh eines Dokumentarfilms über beide Autoren nutzen, dessen Ergebnisse dann in die Realisierung eines fiktionalen Drehbuchs einfließen und in der Herstellung eines Spielfilms münden sollen.






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Filme (Auswahl): 2007 Second Hand Sale, Kurzfilm (Digi Beta, 25 min) 1996 Warum lachst du? Spielfilm (Video) 1995 Liturgie über Georgien im XX. Jahrhundert, Dokumentarfilm 1994 Kerpi/Die Rückkehr, Spielfilm (47 min, 16 mm) 1992 Sirtskhvili/Die Schande, Kurzfilm (29 min, 16 mm)
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