Gäste Profil Veranstaltungen Chronik Bewerbung
Kontakt/Impressum
Publikationen
Newsletter
Blog andere Programme
Kiran Nagarkar wurde 1942 in Bombay geboren. Neben Theaterstücken und Drehbüchern verfasste er vor allem vier Romane, die ihm den Ruf eines hervorragenden Vertreters der zeitgenössischen indischen Literatur einbrachten. In ihrer postkolonialen Hybridität, ihrer Respektlosigkeit und Ernsthaftigkeit boten seine Werke immer wieder Angriffsfläche für ideologische Kritik. Nagarkar folgt damit dem geistigen Erbe seines Großvaters, eines Brahmanen, der sich von der Orthodoxie des Hinduismus in seinem Heimatdorf abgewendet hatte und liberale religiöse Positionen vertrat, in die Stadt zog, eine Jüdin heiratete und einer der ersten indischen Anglistik-Professoren wurde. Nach seinem frühen Tod ernährte Nagarkars Vater die Familie und ermöglichte seinem Sohn unter Schwierigkeiten eine höhere Bildung.
Nagarkar studierte am Ferguson College in Bombay und arbeitete anschließend als Dozent an verschiedenen Colleges, als Journalist, Drehbuchschreiber und vor allem in der Werbebranche. Seinen ersten Roman „Saat Sakkam Trechalis“ (1974; dt. „Sieben mal sechs ist dreiundvierzig“, 2007) schrieb er in seiner Muttersprache Marathi. Die bittere und dabei burleske Schilderung der Lebenswelt des jungen Bombayers Kunshank gilt in ihrer fragmentierten Form und innovativen Sprachbehandlung als Meilenstein der Marathi-Literatur. In seinem ersten Theaterstück „Bedtime Story“ (1978; Ü: Gutenacht-Geschichte) thematisiert Nagarkar in Anspielung auf politische Krisen der Zeit (wie der Kuba-Krise, dem Vietnam-Krieg und dem von Indira Gandhi ausgerufenen Notstand) moderne Verantwortlichkeit. Wegen Problemen mit der staatlichen Zensur sowie religiös motivierten Vorbehalten im Kulturbetrieb konnte das Stück erst 1995 erstmals aufgeführt werden. Auch sein zweiter Roman, „Ravan and Eddie“ (1994; dt. „Ravan & Eddie“, 2004), erlebte Anfeindungen. Die Geschichte der Kindheit zweier Jungen aus einer hinduistischen und einer christlichen Familie, die Nachbarn sind und gleichwohl in völlig verschiedenen Welten leben, wurde sowohl als anti-hinduistisch als auch als anti-christlich kritisiert. Dass Nagarkar dieses und seine weiteren Werke auf Englisch, der Sprache seiner Ausbildung, verfasste, nahmen ihm viele seiner Landsleute ebenfalls übel.
Engstirnigkeit und Extremismus kontrastiert Nagarkar in seinen folgenden Romanen mit einer aus Zweifeln gespeisten und für Vielfalt offenen Toleranz. In „Cuckold“ (1997 dt. „Krishnas Schatten“, 2002) wird diese Geisteshaltung von einem Charakter vertreten, der in der indischen Geschichtsschreibung undeutlich bleibt: Es ist der unbekannte Gatte der berühmten indischen Prinzessin Meera aus dem 16. Jahrhundert, deren Liebeslieder an den Gott Krishna in die indische Alltagskultur Eingang gefunden haben. In „God’s Little Soldier“ (2006; dt. „Gottes kleiner Krieger“, 2006) steht dem Protagonisten, der seine Glaubenszugehörigkeit wechselt, ohne jemals seinen Extremismus abzulegen, der zweifelnde Bruder gegenüber. Dem Selbstverständnis des Romans als „Lehrstück ohne Botschaft“ gemäß, erklärt Nagarkar in einem Interview: „Wir dürfen niemals aufhören, uns selbst zu hinterfragen; wir müssen unsere Überzeugungen ans Licht holen und prüfen. Nichts ist gefährlicher als zu sehr man selbst zu sein, seiner selbst völlig sicher zu sein. Diese Überzeugung wird nämlich bald zur Intoleranz gegenüber den anderen.“
Nagarkar wurde mit dem H.N. Apte Award für den besten Debütroman, dem renommierten Sahitya Award und dem Dalmia Award „für die Förderung kommunaler Harmonie durch Literatur“ ausgezeichnet. Er erhielt ein Rockefeller-Stipendium und war Stipendiat der Stadt München. Der Schriftsteller lebt in Bombay.


Veröffentlichungen in deutscher Übersetzung:

Sieben mal sechs ist dreiundvierzig. Roman. Übersetzt von Ditte und Giovanni Bandini. A1 Verlag, München
Ravan & Eddie. Roman. Übersetzt von Ditte und Giovanni Bandini. A1 Verlag, München
Krishnas Schatten. Roman. Übersetzt von Ditte und Giovanni Bandini. A1 Verlag, München
Gottes kleiner Krieger. Roman. Übersetzt von Ditte und Giovanni Bandini. A1 Verlag, München




Print
Gastprofessuren
curating connections
Künste & Medien
Artists in Residence am PIK